Persönlicher Erfahrungsbericht des Präsidenten
Roland Linnemann - 1984

Ich muss so mit ca. 24 Jahren zu den WJ gekommen sein und war als erstes entsetzt, dass ich es (aus meiner Sicht) fast ausschließlich nicht mit JUNIOREN, sondern wesentlich älteren zu tun hatte. Das Alter bei den jeweiligen Vorständen bewegte sich immer so zwischen 35-40. Da war ich ein Küken.

So besuchte ich zwar Veranstaltungen, beteiligte mich an Arbeitsgruppen und war dann auch noch dumm genug, mich gegen etablierte Mitglieder um ein Vorstandsamt zu bewerben (natürlich ohne Erfolg).

Ich zog es dann vor, erst einmal einige Jahre vergehen zu lassen, um dem Begriff Junior gerechter zu werden.

Mit Mitte 30 war es dann kein Problem mehr sich in den Vorstand wählen zu lassen. So begann es mit der Pressearbeit, welche ich meines Erachtens gut machte. Frustrierend war nur, dass alle Berichte pauschal mit "Der Pressesprecher der WJ" unterschrieben werden sollten und mein Name nirgendwo auftauchte.

Frustrierend war auch, dass es Grabenkämpfe und Spannungen zwischen den Vorstandsmitgliedern als auch zwischen der IHK-Betreuung und den Vorständen gab.

Doch mit in vorderster Front haben wir 1983 die Kinderhilfe gegründet und mittels einer großen Festveranstaltung in Neu-Isenburg das erste Spendengeld eingefahren. Die Aktivitäten für die Kinderhilfe waren enorm und haben sehr viel Kraft gekostet, Mitglieder und Vorstände gleichermaßen geeint und getrennt. Was letztendlich aus dieser Aktion entstanden ist, kann man nur bewundern.

Das Folgejahr 1984 war dann "mein" Jahr, und ich hatte mir vorgenommen, dem Begriff Wirtschaftsjunioren zu entsprechen und gegenpolig weniger soziale Komponenten einfließen zu lassen.

Wir hatten durch ein in Padua (Italien) geborenes Mitglied die Gelegenheit offeriert bekommen, an einer dortigen Mustermesse teilzunehmen, welche aber leider bereits Mitte Mai stattfand. Für eine Jahresplanung etwas arg kurzfristig. Doch es sollte gelingen. Mit Hilfe der vor Ort ansässigen jungen italienischen Unternehmern konnten wir zwar nicht eine ganze Halle (wie eigentlich geplant) disponieren, aber immerhin mit einem Gemeinschaftsstand deutscher Firmen eine halbe Halle belegen.

Es war nicht leicht, in so kurzer Zeit regionale Unternehmen zu bewegen, an der Messe teilzunehmen, denn die Messe war nicht so bekannt und bislang waren deutsche Unternehmen auch nicht beteiligt gewesen. Das war das eigentliche Novum, vor allen Dingen in Padua.

Der Arbeitskreis Padua leistete viel Arbeit, die Präsenz in Padua selbst musste natürlich hoch sein. Es war mein ganzer Stolz, dass ich die Stadt Offenbach auf meine Seite zu bringen konnte, um sich gleichfalls auf der Messe zu präsentieren (was ebenso ein Novum war). Das Novotel hat uns geholfen, die Bewirtung mit typischen Produkten aus unserer Region vorzunehmen. Die zehn Unternehmen (darunter auch Portas) zogen in Italien viel Aufmerksamkeit auf sich. Wir waren Thema in Funk und Fernsehen, der damalige Präsident Craxi besuchte unseren Stand, beim Bürgermeister von Padua gab es einen Empfang. Die Offenbach-Post war eigens mit einem Reporter vor Ort, um über all diese Aktivitäten zu berichten.

Neben diesem zentralen Ereignis gab es natürlich auch weitere Veranstaltungen, aber dieses Jahr 1984 war natürlich geprägt von diesem Messeereignis und den vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen, auch, wenn die Kammer selbst offensichtlich nicht zu 100% meine Aktivitäten unterstützte bzw. guthieß.

Als Pastpräsident konnte ich noch die Rückmesse mit organisieren, denn die Italiener hatten natürlich ebenso ein Interesse, hier Präsenz zu zeigen. Somit gab es bei uns die "Paduanische Woche" im Büsing-Palais mit Modenschau und gastronomischen Leckerbissen. Doch die Erwartungshaltung der Italiener war hoch, evtl. zu hoch, deren auch finanzielles Engagement stellte uns selbst in den Schatten. Aufgrund der Tatsache, dass man von uns selbst und von dem Messeerfolg selbst eine sehr hohe Messlatte anlegte, waren im Laufe der Woche Enttäuschungen und Ärger vorprogrammiert. Die Nerven lagen blank. Es gab leider Unstimmigkeiten zwischen uns selbst und den italienischen Gästen. Padua hatte leider keine weitere Zukunft. Aus deren Sicht waren wir Provinz, und sie hatten damit vielleicht sogar recht.

In diesem Zusammenhang sei auch unsere Jumelage St.Louis erwähnt. Ich war sehr oft dort, um die Partnerschaft zu bekräftigen. Trotz mangelnder Finanzkraft haben uns die dortigen WJ Veranstaltungen präsentiert, dass man neidisch werden konnte. Was jedoch haben die Offenbacher den Franzosen geboten?

Um noch mehr über das Jahr 1984 zu erfahren, empfehle ich den Jahresbericht zu lesen. Wenn ich ihn selbst durchblättere, wundere ich mich heute selbst darüber, wie wir das alles bloß geschafft haben.

Es war eine interessante Zeit. Vor allen Dingen habe ich eine Menge über Menschen erfahren. Ich war kurz davor, ein Misanthrop zu werden.

 


 

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